Kuddelmuddel-Digitalisierung von Minister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sorgt für Chaos

Das Ministerium für Digitalisierung unter Federführung von Jan Philipp Albrecht ist nicht darüber informiert, wie es um das Thema Breitbandanschluss für Schulen an sich und vom Land Schleswig-Holstein vor Ort bestellt ist. Es gibt offenbar keine einheitliche Digitalisierungsstrategie. Und das sorgt für Chaos.

Das ergibt sich nun aus der Antwort auf die Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Beate Raudies und aus weitergehenden Recherchen der Abgeordneten. Hintergrund: Im Rahmen einer Finanzausschusssitzung im Dezember 2020 wurde vom Ministerium berichtet, dass vier Schulen aus ihrem Wahlkreis und ihrem Betreuungswahlkreis – Grundschulen in Kölln-Reisiek, Klein Offenseth-Sparrieshoop, Seester und Herzhorn – noch nicht an das Landesnetz über den Landesdienstleister Dataport angeschlossen sind.

Inzwischen sind die Aufträge für den Anschluss erteilt. Das hat der Minister im Januar im Landtag stolz verkündet. „Das hat mich überrascht, denn nach umfangreicher Recherche ergab sich vor Ort ein völlig anderes Bild. Die Schulträger haben Verantwortung übernommen und sich längst selbst um leistungsfähige Breitbandanschlüsse für die unterrichtliche Nutzung gekümmert“, so Raudies. Jede Schule für sich. „Das ist ihnen hoch anzurechnen!“

Viel später haben die Schulen dann einen Anschluss vom Land für die Schulverwaltungen erhalten.
So hat die Grundschule in Kölln-Reisiek von den Stadtwerken Elmshorn 2019 einen Anschluss ins Haus gelegt bekommen. Ein externer Landesserver stehe für die Verwaltung zur Verfügung. Der würde noch ein Kabel erhalten, war auf Nachfrage zu erfahren – was im Rahmen des wegen Corona sowieso schon schwierigen Schulbetriebs für „Kuddelmuddel“ sorgen würde. Ebenso längst angeschlossen – seit Sommer 2020 – ist die Grundschule in Klein Offenseth-Sparrieshoop. In Seester werden die Bauarbeiten für den Glasfaseranschluss in der Grundschule im Mai dieses Jahres fertig. Dort baut der Breitbandzweckverband Marsch und Geest. Das habe man längst in „Sack und Tüten“ gebracht, so Bürgermeister Claus Hell. Die Grundschule in Herzhorn hat noch kein Breitband vom Land. Der Neubau wurde jedoch bereits Ostern 2020 durch die Stadtwerke Neumünster mit einem Breitbandanschluss ausgestattet – dank des Engagements des Schulverbands. Bei der Grundschule Kollmar kümmert sich Dataport vom Land um Glasfaser, das würde sich jedoch, so bekamen wir zu hören, „noch hinziehen“.

Ohnehin sei das ursprüngliche Vorhaben vom Land – jede Schule bekommt einen Anschluss für die Verwaltung ins Gebäude gelegt – noch nicht umgesetzt worden. Das zeigt sich beispielsweise im Kreis Pinneberg. Dort legt der Breitbandzweckverband Marsch und Geest die Breitbandleitungen. Damit ausgestattet wurden und werden die Grundschulen in Heist, Haseldorf, Seester, Klein Nordende, Heidgraben, Appen, Moorrege und Holm. Außerdem erhalten die Heidewegschule in Appen und die Gemeinschaftsschule Moorrege ebenfalls schnelle Leitungen über den Breitbandzweckverband. Darum haben sich die jeweiligen Gemeinden gekümmert, und der Zweckverband setzt dies im Rahmen eines Infrastrukturprojektes um. Auf Nachfrage hat Beate Raudies erfahren, dass es keinerlei Kommunikation zwischen Zweckverband, Dataport und Ministerium gebe. Denn auch der Zweckverband hätte, so wurde bestätigt, entsprechende Leitungen für die Verwaltungen der Schulen legen können – was letztendlich viel Zeit gespart hätte.

Es wäre außerdem praktischer gewesen. Das zeigt ein Beispiel aus Hasloh. Dort hatte der Breitbandzweckverband längst einen Breitbandanschluss für die Grundschule gelegt. Damit werden die Klassenräume mit WLAN versorgt. Einige Jahre später stolperte Dataport nach, was in der Gemeinde für Verdruss sorgte, weil die Straßen wieder aufgerissen wurden. Jetzt hat die Schulverwaltung Dataport- Server mit – laut Nachfrage – schlechterer Verbindung – als das Schul-Breitband an sich.

Gezahlt für schnelles WLAN an den Schulen haben die Kommunen: So hat die Stadt Elmshorn den Großteil ihrer Schulen durch die Stadtwerke Elmshorn mit Glasfaser ausstatten lassen. Und wie Sören Schuhknecht, Leiter der Stadtwerke betont, sei das WLAN leistungsstark und optimal für das Homeschooling geeignet. Beate Raudies: „Toll, was die kommunalen Anbieter leisten, um die Schulen zukunftsfähig zu machen.“

Auch die Gemeinde Kölln-Reisiek, hatte die Stadtwerke Elmshorn zu diesem Zweck beauftragt. Bezahlt haben dies Gemeinde und Stadtwerke. Wenn man sich im Ministerium also über Kosteneffizienz Gedanken macht – dann hat der Umsetzungsplan für Landesbreitband ein grundlegendes Problem: Längst hätte sich das Ministerium mit den Kommunen austauschen müssen, um eine einheitliche Vorgehensweise umsetzen zu können. Das wäre für alle Beteiligten billiger und für die Schule vor Ort wesentlich praktischer gewesen als die kuriose Kuddelmuddel-Digitalisierung von Minister Jan Philipp Albrecht.