Frauen, raus aus der Altersarmut-Falle! Aber wie?

Gender Pay Gap endlich abschaffen, prekäre Arbeitsver-hältnisse verbieten und Steuergerechtigkeit für Frauen:
Nach der Diskussionsrunde der Landtagsabgeordneten Beate Raudies im Elmshorner Industriemuseum waren sich Ilona Ziesche-Grosse, verdi, die Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten, Samiah El Samadoni und die Elmshorner SPD-Politikerin einig, was zu tun ist, damit viele Frauen nicht länger Renten erhalten, von denen sie nicht leben können.

Während der Diskussion brachten Ziesche-Grosse und El Samadoni Fakten in die Runde, die die Anwesenden sprachlos machten. So gibt es viele Faktoren, die Frauen geradezu in die Altersarmut drängen und die gesellschaftlich zementiert scheinen. „Zum Beispiel Teilzeitarbeit“, so Ziesche-Grosse und El Samadoni. Teilzeit wird zur Langzeitfalle mit dem hohen Risiko der Altersarmut.
Teilzeitarbeit hat in Deutschland wie nirgendwo sonst in der EU fatale Folgen für Frauen. Nur sechs Prozent der deutschen Väter sind in Teilzeit berufstätig, unter den berufstätigen Müttern sind es 70 Prozent. Sie arbeiten Teilzeit, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. Teilzeit erfolgt oft nicht freiwillig. Viele Arbeitsplätze werden nur noch in Teilzeit vergeben, um den flexiblen Einsatz, möglichst nach Arbeitsanfall, leichter zu ermöglichen. Der Teilumfang ist zu gering und entspricht nicht den Wünschen vieler Frauen nach vollzeitnaher Beschäftigung. „Die Folgen sind Karriereknick und auf lange Zeit geringere Verdienstmöglichkeiten“, berichtet El Samadoni.
Außerdem sei es ein Skandal, dass Frauen im Durchschnitt immer noch etwa 21 Prozent weniger verdienen, als Männer. „Da tut sich viel zu wenig. Es gibt entsprechende EU-Vorgaben, die Deutschland schon vor 15 Jahren erfüllen sollte, leider ist dies nicht umgesetzt worden“, so Ziesche-Grosse.
Für Altersarmut sorgt ebenfalls das Steuerrecht. Hier ist das Ehegattensplitting – europaweit fast einzigartig – und die Steuerklasse V an erster Stelle zu nennen. „Das Splitting kostet viel Geld – im Jahr 2016 etwa 22 Milliarden Euro -, subventioniert die Ehe – egal ob mit Kindern oder ohne – und zementiert das Ernährermodell. Das Nettoeinkommen durch die Steuerklasse V ist niedrig und hat dementsprechend Auswirkungen auf die Rente“, so die Gewerkschafterin.
Hierzu hat Beate Raudies eine klare Position. „Die SPD tritt seit vielen Jahren für eine Reform des Ehegattensplittings ein. Durch die unbegrenzte Übertragbarkeit von Einkommen werden Hochverdiener mit großen Einkommensunterschieden am meisten entlastet.“
Weiterhin wird die Elmshorner Sozialdemokratin im Landtag vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Diskussionsrunde ein besonderes Augenmerk auf die Arbeitsbedingungen in Sachen Teilzeit im öffentlichen Dienst haben. „Wenn wir über Attraktivität des öffentlichen Diensts sprechen, muss das auch die Arbeitsbedingungen von Frauen beinhalten“, so Raudies, die auch künftig nicht nachlassen wird, sich für Lohngleichheit von Mann und Frau einzusetzen.