Wölfe und Herdenschutz – das muss funktionieren!

Immer wieder werden Wölfe im Kreis Pinneberg gesichtet. Das freut alle Wildtierfreunde. Bei Nutztierhaltern sieht es jedoch anders aus.

Darum habe ich mich bei Hans-Albrecht Hewicker aus Bokholt-Hanredder, ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter und Wolfsbetreuer im Kreis Pinneberg, nach der Bedeutung und den Folgen der Rückkehr des Wolfes erkundigt. Hewicker ist einer von 71 Wolfsbetreuern in Schleswig-Holstein.
In 2018 hat es bislang (Stand Juli) 31 Nachweise von der Anwesenheit Isegrimms im Norden gegeben. Ich habe erfahren, dass auch immer wieder Wölfe durch den Kreis Pinneberg ziehen.
„Ein Rudel, das hier auf die Jagd geht, haben wir hier bislang nicht. Aber andererseits hatten wir, seitdem der letzte Wolf ausgerottet wurde, kein Tier mehr, das Kälber und Schafe reißen kann – außer wildernden Hunden“, so Hewicker. Daher müsse sich die Gesellschaft auf den Wolf einstellen. Das sei bei uns in der Region aufgrund der Nutztierhalter – Schäfer und Eigentümer von Schafen, Ziegen und Kühen – sehr schwierig. Es habe zwar vergleichsweise wenige Haustierrisse von Wölfen gegeben, aber es kam auch vor, dass ein Tier mehr als 50 Schafe umgebracht hatte.
„Das ist dann schon existenzgefährdend für Landwirte. Und Schafe auf den Deichen und Weiden sind größtenteils schutzlos“, so Hewicker. Wolfssichere Zäune seien zum einen teuer, zum anderen würden dann andere Tierarten wie unter anderem Rehe in ihrem Lebensraum zu stark eingeschränkt werden. Herdenschutzhunde, die Wölfe abhalten und verscheuchen könnten, seien vielfach auch für Menschen nicht ungefährlich. Ein großes Problem seien jene Wölfe, die schon als Jungtier Kontakt mit Menschen hatten. „Diese Tiere haben jegliche Scheu vor Menschen verloren und lassen sich schwer vertreiben“, sagt der Kreisnaturschutzbeauftragte. In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass sich Wölfe sehr gerne in hohen Maisfeldern verstecken. „Der Maisanbau in großem Stil, wie wir ihn hier ja auch erleben, ist deshalb ebenfalls ein Problem.“
Was sollte nun unternommen werden? „Wölfe müssen eine größere Scheu vor Menschen haben, damit sie schneller vertrieben werden können – beispielsweise durch eine entsprechende Ausbildung von Hunden oder andere Vergrämungsaktionen. Dazu sollten Fördermittel bereitgestellt werden“, sagt der Kreisnaturschutzbeauftragte. Das sollte schnell geschehen, bevor sich ein Rudel in Schleswig-Holstein etabliert.
Was er den Menschen in der Region rät, die vielleicht beim Spazierengehen auf einen Wolf treffen? „Die Wahrscheinlichkeit ist gering, da der Wolf Menschen eher bemerkt als sie ihn. Spaziergänger sollten jedoch auf jeden Fall ihre Hunde in der Feldmark und im Wald sowieso anleinen, damit es zu keinen unerwünschten, gefährlichen Begegnungen kommt. Denn Hunde sind die natürlichen Konkurrenten des Wolfes“, betont er.
Ich war sehr beeindruckt von der Arbeit und der Kenntnis des Wolfsbetreuers. Ich werde die Vorschläge in Kiel unterstützen.